Erste 72 Stunden · Die ersten Tage
Wenn aus der Geburt plötzlich Alltag wird
Trinken, Schlafen, erste Windeln, Gewichtsverlust, Screenings und U2 – was in den ersten drei Tagen passiert und was jetzt dein Job als Papa ist.
Inhalt
- Tag 1: Ankommen
- Tag 2: Moment mal – warum ist heute alles anders?
- Tag 3: Wir sollen dieses Baby wirklich mit nach Hause nehmen?
- Trinken: Das wahrscheinlich größte Thema dieser 72 Stunden
- Das Gewicht: Warum euer Baby plötzlich weniger wiegt
- Die Windeln werden plötzlich interessant
- Die Untersuchungen in den ersten 72 Stunden
- Schlaf in den ersten drei Tagen
- Was viele Papas jetzt überrascht
- Was bei deiner Partnerin gerade passiert
- Und wie geht es dir eigentlich?
- Was andere Väter gern früher gewusst hätten
- Entlassung: Bevor ihr das Krankenhaus verlasst
- Der Moment, über den kaum jemand spricht
Die Geburt ist vorbei. Zumindest offiziell. Das Baby ist da. Ihr habt vielleicht das erste Foto verschickt, die ersten Glückwünsche beantwortet, du hast dein Kind gehalten und vielleicht sogar die erste Windel gewechselt.
Tag 1: Ankommen
Die ersten 24 Stunden sind geprägt von Nähe, Beobachtung, Schlaf, ersten Trinkversuchen, ersten Windeln, Untersuchungen und Erholung nach der Geburt.
Viele Babys sind nach der Geburt zeitweise sehr wach und anschließend ziemlich müde. Andere sind unruhiger. Manche trinken schnell und effektiv, andere brauchen mehr Unterstützung.
Versucht nicht, aus diesen ersten Stunden bereits den Charakter oder zukünftigen Schlaf eures Babys abzuleiten. Nach einem Tag wisst ihr fast nichts. Und das ist völlig in Ordnung.
Tag 2: Moment mal – warum ist heute alles anders?
Dann kommt bei manchen Familien Tag zwei. Und plötzlich ist das Baby häufiger wach, unruhiger, möchte sehr oft trinken, möchte ständig Körperkontakt und lässt sich schlechter ablegen.
Und ihr denkt: „Gestern war es doch noch so entspannt.“ Willkommen bei einem Neugeborenen. Die Bedürfnisse können sich innerhalb weniger Stunden verändern.
Gerade beim Stillen können sehr häufige Mahlzeiten auftreten. Das muss nicht automatisch bedeuten: „Es reicht nicht.“ Häufiges Anlegen kann in dieser frühen Phase dazugehören.
Wenn ihr unsicher seid, lasst Stillposition, Anlegen und Trinkverhalten von Hebamme oder Fachpersonal beurteilen. Nicht vom Internet.
Tag 3: Wir sollen dieses Baby wirklich mit nach Hause nehmen?
Irgendwann kommt möglicherweise der Entlassungstag. Jemand sagt: „Sie können heute nach Hause.“ Und du denkst: „Einfach so?“
Bis gestern musstest du gefühlt eine Einweisung bekommen, bevor du den Kaffeeautomaten benutzen durftest. Jetzt gibt man euch einen komplett neuen Menschen mit. Ohne Bedienungsanleitung.
Ihr müsst aber nicht alles können, bevor ihr nach Hause geht. Ihr solltet nur wissen:
- wie euer Baby ernährt wird
- wie ihr es sicher schlafen legt
- wie ihr wickelt
- welche Untersuchungen erfolgt sind
- welche noch fehlen
- wo die U2 stattfindet
- wer euch zu Hause betreut
- wen ihr bei Problemen kontaktieren könnt
Das reicht für den Anfang.
Trinken: Das wahrscheinlich größte Thema dieser 72 Stunden
Ein erheblicher Teil eures neuen Lebens dreht sich jetzt um Milch.
Wenn deine Partnerin stillt, befinden sich beide gerade in einer Lernphase. Baby lernt trinken. Mama lernt stillen. Und du lernst, dass Stillen deutlich komplexer sein kann als: Baby an Brust, fertig.
Es können Fragen auftauchen wie: Ist das Anlegen richtig? Trinkt das Baby effektiv? Wie oft sollte es trinken? Warum schläft es dabei ständig ein? Bekommt es genug?
Das sind perfekte Fragen für Hebammen und Fachpersonal.
Dein Job beim Stillen
Du produzierst zwar nicht die Milch. Aber du kannst trotzdem sehr viel übernehmen:
- Wasser bereitstellen
- Essen organisieren
- Stillposition mit vorbereiten
- Kissen holen
- nach dem Stillen wickeln
- das Baby anschließend tragen
- Informationen vom Personal mit anhören
- Notizen machen
- Besuch fernhalten
- deiner Partnerin Schlaf ermöglichen
Und ganz wichtig: nicht zum Stillmanager werden. Nicht: „Du solltest es doch jetzt wieder anlegen.“ Sondern: „Was brauchst du?“
Wenn ihr Fläschchen gebt
Auch Flaschenfütterung ist kein Autopilot. Lasst euch zeigen, welche Nahrung ihr verwendet, wie sie korrekt zubereitet wird, wie Hygiene funktioniert, wie euer Baby beim Trinken gehalten wird und woran ihr Hunger- und Sättigungssignale erkennt.
Und vermeidet nach Möglichkeit das Ziel „Flasche muss leer“. Babys dürfen Sättigung zeigen.
Das Gewicht: Warum euer Baby plötzlich weniger wiegt
Das sorgt bei vielen frischgebackenen Eltern für einen kurzen Schreck. Geburt: 3.540 Gramm. Zwei Tage später: weniger. Ist das Baby jetzt zu dünn?
Nicht automatisch. Neugeborene verlieren in den ersten Tagen normalerweise zunächst Gewicht. Entscheidend ist nicht eine einzelne Zahl, sondern der Verlauf und die medizinische Einordnung. Bei gesunden, reif geborenen Babys wird das Geburtsgewicht normalerweise im Verlauf der ersten Tage wieder erreicht — als Orientierung gelten etwa sieben bis spätestens ungefähr zehn Tage.
Deshalb wird euer Baby kontrolliert gewogen. Wenn der Gewichtsverlauf auffällig ist, beurteilen Hebamme oder Ärztinnen und Ärzte, ob genauer hingeschaut oder unterstützt werden muss.
Papa-Regel: Fang nicht selbst an mit „Es sind jetzt genau 7,2 Prozent!“. Ihr braucht keine Excel-Tabelle auf der Wochenbettstation. Ihr braucht eine fachliche Einschätzung des Gesamtbilds.
Die Windeln werden plötzlich interessant
Vor drei Tagen hättest du vermutlich nicht freiwillig ausführlich über den Inhalt einer Windel gesprochen. Jetzt kannst du minutenlang darüber diskutieren. Willkommen.
Der erste Stuhl — das Mekonium oder Kindspech — ist dunkel und klebrig. In den nächsten Tagen verändert sich der Stuhl normalerweise, während Verdauung und Ernährung in Gang kommen.
Auch nasse Windeln werden zunehmend wichtig, denn Ausscheidungen liefern Hinweise darauf, wie es eurem Baby geht. Ihr müsst daraus keine Wissenschaft machen. Aber wenn das Personal euch bittet, Windeln oder Ausscheidungen zu beobachten: macht es.
Papa-Aufgabe: Werde Wickelprofi
Falls du bisher erst eine Windel gewechselt hast: perfekt. Dann kommt jetzt Nummer zwei. Und drei. Und vier.
Wickeln ist einer der einfachsten Wege, vom helfenden Vater zum zuständigen Elternteil zu werden. Du lernst dabei außerdem, wie sich dein Baby bewegt, wie du es sicher hältst, wie seine Haut aussieht, welche Kleidung funktioniert und was euch beim Wickeln fehlt.
Und irgendwann kannst du es halb schlafend. Spoiler: Diese Fähigkeit wirst du brauchen.
Die Nabelschnur: Warum da plötzlich ein kleiner Rest hängt
Nach der Geburt bleibt zunächst ein Teil der Nabelschnur am Bauch eures Babys. Der Nabelrest trocknet in den folgenden Tagen ein und fällt später von selbst ab.
Eure Hebamme beziehungsweise das medizinische Personal zeigt euch, wie ihr den Bereich sauber und trocken haltet und worauf ihr achten sollt. Nicht daran ziehen, nicht herumspielen, nicht versuchen, den Prozess zu beschleunigen. Das Baby erledigt das selbst.
Die Untersuchungen in den ersten 72 Stunden
Jetzt kommen einige Begriffe auf euch zu, die sich leicht vermischen.
U1
Die U1 findet direkt nach der Geburt statt. Dabei werden vor allem lebenswichtige Funktionen kontrolliert. Außerdem bekommt ihr in der Regel das Gelbe Kinderuntersuchungsheft.
Pulsoxymetrie
Zwischen U1 und U2 wird der Sauerstoffgehalt im Blut mit einem Sensor überprüft. Damit sollen bestimmte kritische angeborene Herzfehler früh erkannt werden. Die Untersuchung tut eurem Baby normalerweise nicht weh — ein kleiner Sensor misst über die Haut.
Erweitertes Neugeborenen-Screening
In den ersten Tagen wird euch ein Bluttest angeboten. Dabei werden wenige Tropfen Blut abgenommen und auf verschiedene seltene angeborene Erkrankungen untersucht. Das Ziel: Erkrankungen erkennen, bevor möglicherweise schwere gesundheitliche Folgen entstehen.
Das Screening findet im vorgesehenen frühen Zeitfenster nach der Geburt statt, häufig etwa 36 bis 72 Stunden danach.
Mukoviszidose-Screening
Auch ein Screening auf Mukoviszidose gehört zu den angebotenen Neugeborenenuntersuchungen. Es ist Teil des frühen Screening-Prozesses und dient dazu, eine mögliche Erkrankung möglichst früh zu erkennen.
Hörscreening
Auch das Hörvermögen eures Babys soll früh überprüft werden. Als Ziel gilt, das Neugeborenen-Hörscreening bis zur 72. Lebensstunde durchzuführen.
Falls eine erste Messung auffällig ist, bedeutet das nicht automatisch, dass euer Baby schlecht hört. Dann können weitere Untersuchungen notwendig sein.
Vitamin K: Was ihr dazu wissen solltet
Neugeborene haben geringe Vitamin-K-Reserven. Vitamin K ist für die Blutgerinnung wichtig. Deshalb wird in Deutschland zur Vorbeugung gefährlicher Blutungen üblicherweise Vitamin K im Rahmen der ersten Früherkennungsuntersuchungen angeboten — in der Regel bei U1, U2 und U3.
Wenn ihr dazu Fragen habt, lasst euch erklären, warum es gegeben wird, wann die nächste Gabe vorgesehen ist und was dokumentiert wurde.
Gelbsucht: Warum manche Babys gelblicher werden
Vielleicht wirkt die Haut eures Babys nach ein oder zwei Tagen gelblicher. Eine Neugeborenengelbsucht kommt häufig vor. Dabei steigt der Bilirubinwert im Blut. In vielen Fällen ist das vorübergehend. Manchmal muss der Wert aber genauer kontrolliert oder behandelt werden.
Wenn das medizinische Team Hautfarbe oder Bilirubin überprüft, ist das deshalb kein ungewöhnlicher Vorgang. Und wenn euch zu Hause eine deutliche Gelbfärbung, ungewöhnliche Müdigkeit oder schlechtes Trinken auffällt: Hebamme oder kinderärztliche Praxis kontaktieren. Bei der U2 wird ausdrücklich auch darauf geachtet, ob eine behandlungsbedürftige Gelbsucht vorliegen könnte.
Und was ist mit der U2?
Die U2 findet zwischen dem 3. und 10. Lebenstag statt und ist die erste ausführliche ärztliche Grunduntersuchung von Kopf bis Fuß. Dabei werden unter anderem Haut, Sinnesorgane, Brust- und Bauchorgane, Kopf, Skelettsystem, Muskeln und Nerven beurteilt.
Wenn ihr einige Tage in der Klinik bleibt, kann die U2 dort stattfinden. Wenn ihr früh nach Hause geht, müsst ihr sie eventuell selbst in einer kinderärztlichen Praxis organisieren.
Wichtig: Wenn noch Neugeborenen-Screenings ausstehen, sollte das bei der Terminplanung direkt gesagt werden. Bei ambulanter Geburt beziehungsweise früher Entlassung empfiehlt es sich, sehr zeitnah einen Termin zu vereinbaren, wenn Blutuntersuchungen oder Hörscreening noch fehlen.
Dein Papa-Screening-Check
Bevor ihr nach Hause geht, frag konkret: Welche Untersuchungen wurden bereits gemacht? Welche Ergebnisse liegen vor? Steht noch etwas aus? Wann muss es gemacht werden? Findet die U2 hier statt oder müssen wir einen Termin vereinbaren?
Schreib dir die Antworten auf. Nicht weil du übervorsichtig bist, sondern weil ihr wahrscheinlich seit zwei Tagen kaum geschlafen habt.
Schlaf in den ersten drei Tagen
Vielleicht schläft euer Baby unglaublich viel und ihr denkt: „Perfekt.“ Dann schläft es plötzlich kaum und ihr denkt: „Was ist passiert?“
Neugeborene haben noch keinen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus. Sie schlafen und wachen rund um Ernährung, Nähe und Regulation.
Versucht deshalb jetzt nicht, Schlafenszeiten einzuführen, Wachphasen zu verlängern, einen Tagesplan aufzubauen oder herauszufinden, ob euer Baby gut schläft. Das kommt später.
Sicher schlafen ab Nacht eins
Was allerdings von Anfang an wichtig ist: eine sichere Schlafumgebung. Für den Schlaf gilt grundsätzlich:
- Baby auf den Rücken
- feste, ebene Schlafunterlage
- kein Kopfkissen
- keine losen Decken, Nestchen oder Kuscheltiere im Schlafbereich
- rauchfreie Umgebung
- Überwärmung vermeiden
Und einer der wichtigsten Punkte für erschöpfte Eltern: Sofa und Sessel sind keine sicheren Orte, um mit Baby einzuschlafen. Wenn du beim Halten merkst, dass du die Augen nicht mehr offenhalten kannst, dann leg das Baby sicher ab oder übergib es an einen wachen Erwachsenen. Nicht versuchen, noch durchzuhalten.
Warum euer Baby ständig Nähe will
Neugeborene haben keine Ahnung, dass sie jetzt in einer Wohnung in Deutschland leben. Sie kennen Wärme, Herzschlag, Bewegung, Enge, Stimmen. Und plötzlich: Bett, Licht, Kälte, Stille.
Dass ein Baby viel Körperkontakt möchte, ist deshalb nicht überraschend. Ihr könnt es durch Nähe nicht verwöhnen. Ihr helft ihm, mit dieser völlig neuen Umgebung klarzukommen.
Was viele Papas jetzt überrascht
Ablegen ist manchmal schwieriger als Raketenwissenschaft.
Baby schläft auf deinem Arm. Tief. Du wartest. Noch fünf Minuten. Dann beginnst du die Operation: langsam aufstehen, zwei Schritte, zum Bett, absenken, noch zehn Zentimeter, fünf, Kontakt lösen. Baby: „WÄÄÄÄÄH.“ Und du: „Wie hast du das gemerkt?!“
Dass ein Neugeborenes Nähe deutlich attraktiver findet als eine Matratze, bedeutet nicht, dass ihr etwas falsch macht.
Dein Job als Papa
Situation
Stillen oder Füttern beschäftigt den ganzen Tag
Dein Job
Die Versorgung drumherum übernehmen.
Situation
Das Baby muss gewickelt werden
Dein Job
Wickeln selbstständig übernehmen.
Situation
Screenings stehen an
Dein Job
Zuhören, dokumentieren, nachfragen.
Situation
Deine Partnerin hat Schmerzen
Dein Job
Entlasten und Fachpersonal holen.
Situation
Die Familie möchte Updates
Dein Job
Die Kommunikation übernehmen.
Situation
Das Baby möchte ständig Körperkontakt
Dein Job
Selbst tragen und Hautkontakt anbieten.
Situation
Ihr seid völlig übermüdet
Dein Job
Sichere Ablösung organisieren.
Situation
Die Entlassung steht an
Dein Job
Medizinische und organisatorische Fragen klären.
Situation
Die U2 ist noch nicht organisiert
Dein Job
Den Termin klären.
Situation
Du weißt nicht weiter
Dein Job
Hebamme oder medizinisches Team fragen.
Was bei deiner Partnerin gerade passiert
Während du dein Baby kennenlernst, passiert im Körper deiner Partnerin enorm viel. Die Gebärmutter beginnt sich zurückzubilden. Wochenfluss setzt ein beziehungsweise verändert sich. Geburtsverletzungen oder eine Kaiserschnittwunde müssen heilen. Die Brust stellt sich auf Milchproduktion ein. Hormone verändern sich massiv.
Dazu kommen Schlafmangel, Schmerzen, Nachwehen, Erschöpfung und die emotionale Verarbeitung der Geburt.
Und vielleicht trotzdem: „Möchtet ihr heute Besuch?“
Nein ist eine vollständige Antwort.
Babyblues: Wenn plötzlich die Tränen kommen
In den ersten Tagen nach der Geburt erleben viele Frauen starke emotionale Schwankungen. Vielleicht sitzt deine Partnerin da und weint. Und du fragst: „Was ist passiert?“ Antwort: „Ich weiß es nicht.“
Versuch nicht sofort, das Problem zu lösen. Nicht: „Aber es ist doch alles gut.“ Besser: „Okay. Ich bin da.“
Starke hormonelle Veränderungen, Schlafmangel, körperliche Belastung und die emotionale Wucht der Geburt können zusammenkommen. Wenn psychische Beschwerden stark sind, länger anhalten, sich verschlimmern oder ihr euch Sorgen macht, gehört das fachlich angesprochen.
Und wie geht es dir eigentlich?
Vielleicht hattest du seit zwei Tagen keine normale Mahlzeit. Du schläfst auf einem Stuhl. Dein Nacken ist kaputt. Du hast 83 Nachrichten. Und irgendwie erwartest du von dir selbst: Ich muss jetzt funktionieren.
Ja. Aber nicht ohne Pause. Iss. Trink. Dusche, wenn möglich. Geh kurz vor die Tür. Schlaf, wenn sich eine Möglichkeit ergibt.
Deine Partnerin braucht keinen Vater, der am dritten Tag aus Heldentum komplett zusammenklappt.
Was andere Väter gern früher gewusst hätten
Du musst Fachpersonal nicht beeindrucken. Niemand erwartet von dir: „Natürlich kenne ich den Unterschied zwischen Kolostrum und Übergangsmilch.“
Frag einfach. „Können Sie mir das nochmal zeigen?“ „Wie wickeln wir den Nabelbereich?“ „Was müssen wir zu Hause beobachten?“ „Wann müssen wir uns melden?“
Die dümmste Frage in diesen drei Tagen ist meistens die, die ihr aus Scham nicht gestellt habt.
Typische Papa-Fehler
Fehler
Ein Besucherprogramm organisieren
Besser
Erholung zuerst
„Oma kommt um zwei, meine Eltern um vier und Tom wollte kurz vorbeischauen.“ Nein.
Fehler
Nur auf das Gewicht schauen
Besser
Den Verlauf von Fachpersonal beurteilen lassen
Eine einzelne Zahl macht keine Diagnose.
Fehler
Jede Mahlzeit kommentieren
Besser
„Schon wieder?“ bei einem Neugeborenen einfach streichen
Häufiges Trinken gehört in den ersten Tagen dazu.
Fehler
Nachts nichts übernehmen, weil Mama stillt
Besser
Alles andere übernehmen, was sinnvoll möglich ist
Stillen ist nur ein Teil der Versorgung.
Fehler
Alle Informationen bei Mama speichern
Besser
Selbst zuhören und Verantwortung übernehmen
Wann U2? Was sagte die Hebamme? Welches Screening? „Frag Mama“ ist keine Antwort.
Fehler
Keine Fragen stellen
Besser
Fragen, sobald etwas unklar ist
Aus Angst, unerfahren zu wirken. Du bist unerfahren — ihr habt seit 48 Stunden ein Baby. Das ist ziemlich logisch.
Entlassung: Bevor ihr das Krankenhaus verlasst
Macht einen kurzen Check.
Beim Baby: Wisst ihr, wie es gefüttert wird, ob der Gewichtsverlauf okay ist, ob Besonderheiten beobachtet werden sollen, welche Screenings abgeschlossen sind, welche Ergebnisse noch ausstehen und wann die U2 stattfinden soll?
Bei Mama: Wisst ihr, worauf sie bei Blutungen und Schmerzen achten soll, wie Wunden versorgt werden, wann medizinische Kontrolle nötig ist und wen sie bei Stillproblemen kontaktieren kann?
Zur Organisation: Habt ihr das Gelbe Heft, wichtige Unterlagen, die Kontaktdaten der Hebamme, einen Termin oder Plan für die U2 und die Babyschale für den Heimweg?
Wenn etwas unklar ist: jetzt fragen. Nicht auf dem Parkplatz.
Die erste Autofahrt nach Hause
Dieser Moment ist besonders. Dein Baby ist korrekt in der Babyschale angeschnallt. Du fährst los. Und plötzlich fühlt sich jede andere Person auf der Straße an wie ein psychopathischer Rennfahrer.
Fahr normal. Nicht 30 km/h auf der Autobahn, aber auch ohne Stress. Babyschale korrekt verwenden, keine dicke Jacke zwischen Baby und Gurtsystem, Gurte passend einstellen. Und wenn etwas nicht stimmt: sicher anhalten.
Zu Hause: Der gefährlichste Gedanke
Ihr kommt rein. Stellt die Tasche ab. Baby da. Und du denkst: „Was machen wir jetzt?“
Nichts Besonderes. Ihr fangt einfach an. Füttern. Wickeln. Schlafen. Tragen. Essen. Wiederholen.
Ihr braucht am ersten Tag zu Hause keine perfekte Wohnung, keine Willkommensparty und keinen geregelten Tagesablauf. Euer Ziel ist zunächst: alle versorgt, alle einigermaßen sicher. Das reicht.
Der Moment, über den kaum jemand spricht
Dann kommt ihr nach Hause. Vielleicht stellst du die Babyschale ab. Und plötzlich ist niemand mehr da. Keine Hebamme im Flur. Kein Klingelknopf. Kein medizinisches Team hinter der nächsten Tür.
Nur du. Deine Partnerin. Euer Baby.
Vielleicht schaut ihr euch an und einer sagt: „Und jetzt?“ Die Antwort lautet: Jetzt lernt ihr euch kennen. Nicht heute komplett. Nicht diese Woche. Sondern über Jahre.
Ein Neugeborenes kann sich schnell verändern. Wenn euch etwas wirklich komisch vorkommt, holt fachlichen Rat.
Heute erledigen
Häufige Fragen
Ist es normal, dass mein Baby nach der Geburt abnimmt?
Ja. Ein gewisser Gewichtsverlust in den ersten Tagen ist bei Neugeborenen üblich. Entscheidend ist der individuelle Verlauf, der medizinisch beziehungsweise durch die Hebamme begleitet werden sollte.
Wann findet das Neugeborenen-Screening statt?
Das erweiterte Neugeborenen-Screening findet in den ersten Lebenstagen statt, häufig innerhalb der ersten 36 bis 72 Stunden nach der Geburt.
Wann wird das Gehör getestet?
Das Neugeborenen-Hörscreening soll möglichst früh erfolgen — als Ziel gilt die Durchführung bis zur 72. Lebensstunde.
Wann findet die U2 statt?
Zwischen dem dritten und zehnten Lebenstag. Bei früher Entlassung solltet ihr klären, ob sie in der Klinik oder in einer kinderärztlichen Praxis durchgeführt wird.
Warum verliert mein Baby Gewicht?
Unter anderem verliert ein Neugeborenes nach der Geburt Flüssigkeit und stellt sich auf die Ernährung außerhalb des Mutterleibs um. Ein anfänglicher Gewichtsverlust ist grundsätzlich normal, der Verlauf wird kontrolliert.
Ist häufiges Stillen normal?
Gerade in den ersten Tagen können Babys sehr häufig trinken beziehungsweise an die Brust wollen. Bei Unsicherheit über Anlegen, Trinkmenge oder Gewicht sollte euch Hebamme oder Fachpersonal individuell beraten.
Muss unser Baby schon einen Schlafrhythmus haben?
Nein. Ein Neugeborenes hat noch keinen stabilen Tag-Nacht-Rhythmus.
Können wir nach 48 Stunden nach Hause?
Das hängt von Geburt, Gesundheitszustand von Mutter und Baby, Klinikablauf und noch ausstehenden Untersuchungen ab. Klärt vor der Entlassung, welche Untersuchungen bereits erfolgt sind und was noch organisiert werden muss.
Was ist mein wichtigster Job als Papa in diesen drei Tagen?
Nicht danebenstehen und nicht warten, bis dir jemand Aufgaben gibt. Sondern langsam vom „Was soll ich machen?“ zum „Ich kümmere mich darum“ kommen: wickeln, tragen, Fragen stellen, Termine kennen, Essen organisieren, Grenzen setzen, deine Partnerin entlasten und dein Baby kennenlernen.
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